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Zdeněk Sýkora fotografem 1937–1945

Zdeněk Sýkora als Fotograf 

19371945

Das Buch befasst sich mit einem bislang unbeachteten Kapitel im Schaffen Zdeněk Sýkoras (1920–2011; Strukturen und Linienbilder, weltweit anerkannter Vertreter des Neokonstruktivismus): mit seinen bemerkenswerten Fotos aus der Zeit der deutschen Besatzung. Ihre Bedeutung wurde erst in den letzten Jahren erkannt, denn Sýkora legte keinen Wert darauf, dass seine Jugendwerke erhalten bleiben, die meisten Bilder, die er während des Krieges unter dem Einfluss des Surrealismus gemalt hatte, vernichtete er sogar. Glücklicherweise entging zumindest eine Auswahl seiner Fotos diesem Schicksal. Durch Nachforschungen im Archiv Lenka und Zdeněk Sýkoras, im Regionalmuseum Louny, im Staatlichen Kreisarchiv Louny sowie in privaten Sammlungen und Nachlässen gelang es, genügend Originalmaterial und Informationen zusammenzutragen, um den fotografischen Prolog zu Sýkoras Laufbahn als Maler zu rekonstruieren.

Von Anfang an interessierten Zdeněk Sýkora Landschaft und Natur. Zur Auseinandersetzung mit aktuellen Ansätzen wurde er von Jaromír Funke angeregt, als dieser im Frühjahr 1941 einen umfangreichen Zyklus mit Fotos aus Louny und Umgebung ausstellte, bei denen er die Grundsätze der neuen Sachlichkeit angewandt hatte. In Aufnahmen, die ebenfalls seine Heimatstadt zum Thema hatten, folgte Sýkora dem Beispiel Funkes und entwickelte diesen Ansatz weiter. Im Klub der Amateurfotografen in Louny konnte er sich erfolgreich behaupten (Wettbewerbssieger und Teilnahme an der Ausstellung des Jahres 1942, bedeutender Anteil an der Fotomappe des Klubs für das Jahr 1943). Gleichzeitig reagierte er auch auf Anregungen aus der alternativen Kulturszene, insbesondere auf den Surrealismus. Dieser Strömung hatte sich in Louny ein Kreis junger Leute lose angeschlossen, der sich um Kamil Linhart gebildet hatte und dessen intellektueller Kopf der Bibliothekar Jaroslav Janík war. Als Fotograf war Zdeněk Sýkora an Büchern aus der Feder seiner Altersgenossen beteiligt, allen voran arbeitete er mit Linhart an dem einzigartigen Gedicht- und Fotoband Někam jít (Irgendwohin gehen) zusammen, der zu den führenden Werken dieses Genres gehört. Sýkora machte darin meisterhaft Gebrauch von der Technik der Fotomontage (er legte zwei Negative im Vergrößerungsgerät übereinander und belichtete sie gleichzeitig), die er schon früher für Fotokompositionen zu einzelnen Gedichten tschechischer und ausländischer Autoren, von Holan bis Lautréamont, verwendet hatte. Ein anderes originelles Unterfangen ist ein Fotozyklus Sýkoras, für den er zusammen mit Vladislav Mirvald Barockstatuen und deren Bruchstücke zu wandlungsreichen dynamischen Formationen arrangierte.

Das Buch Zdeněk Sýkora fotografem (Zdeněk Sýkora als Fotograf) ist in zwei Hauptteile gegliedert. Im ersten wird Sýkoras frühes fotografisches Werk in seinem historischen Kontext analysiert und erläutert, im zweiten findet sich ein ausführlicher Lebenslauf des Künstlers von seiner Geburt bis zum Beginn seines Malereistudiums 1945. Dieser Teil lotet – ausgehend von den authentischen Erinnerungen des Künstlers und ergänzt durch ein gründliches Quellenstudium – die Bedingungen für die Entwicklung dieser außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit aus.

Zdeněk Sýkora fotografem 1937–1945

Text: Lenka Bydžovská, Lenka Sýkorová
Grafische Gestaltung: Zdeněk Ziegler
Format 235 x 235 mm, 150 Seiten
Herausgeber Galerie umění Karlovy Vary a Ústav dějin umění Akademie věd České republiky, 2016
ISBN 978-80-87420-63-8